Ich habe beschlossen euch von Zeit zu Zeit meinen literarischen Ergüssen auszusetzen. Ich weiß noch nicht ob und wie die Geschichte weitergeht. Der Gesamt-Titel lautet vorläufig Atlantis.
Sollte jemand Kritiken oder Kommentare abgeben wollen, tut euch keinen Zwang an, ich kann mit negativer Kritik zwar nicht umgehen, aber davon bekommt ihr ja dann nichts mit ;)
Atlantis
1. Riesen im Schatten
Die Nacht folgte einem häßlichen Tag. Es war einer dieser Tage gewesen, die schlecht anfangen, noch schlechter weitergehen und dann kein Ende finden wollen, nur damit man genug Zeit hat mit seinem ungünstigen Schicksal zu hadern.
Genau das tat André als er in dieser Nacht auf dem Balkon saß und in den Nachthimmel starrte, ohne seine Schönheit wahrzunehmen. Er fror und die Musik in seinem Zimmer war bereits vor über einer Stunde verstummt. Durchgelaufen.
Er hatte sich mit Sarah gestritten. Schon wieder. Es war klar wie es jetzt weitergehen würde:
Morgen würde sie ihm sagen, dass Schluss sei, oder er würde es ihr sagen, oder keiner von beiden würde es beenden und sie würden sich noch eine Weile lang alle paar Tage streiten. Es spielte keine Rolle, denn alle möglichen Varianten hatten eines gemeinsam: Das Ende. Unausweichlich.
Es hatte keinen Sinn, sich vormachen zu wollen es läge nur an ihr, oder nur an ihm. Allmählich gemannen beide ihren von der Liebe getrübten Sehsinn wieder. Das war alles.
Immer wieder wanderte sein Blick vom Himmel über die blendend, grellgelb leuchtenden Straßenlaternen hinweg, zu den Bäumen hinüber. Die Bäume schienen sich bei Nacht, im Kontrast zu dem gelblichen Schimmern der Stadt hinter ihnen zu dunklen Riesen zu verwandelten. Große schwarze Schemen, die alles was in der schnelllebigen Welt der Menschen vorging mit einem sanften Rauschen ihrer Blätter im Wind quittierten und schließlich vorbeiziehen sahen.
Eine Sekunde lang wünschte sich André eine Motorsäge.
Ein einzelnes Auto fuhr auf der nahen Landstraße vorüber und seine Scheinwerfer erhellten einen Moment lang die schlafenden Riesen, nahm ihnen ihre Magie und André begriff, dass nicht sie es waren auf die er wütend sein musste. Er selbst war ein Teil des Stroms geworden den er immer gehasst hatte. Sein Ein-Mann-Insel-Projekt mitten im Rausch der Zeit war gescheitert. Sarah war der Mast gewesen an den er sich inmitten des Sturms der schnelllebigen Welt gebunden hatte um nicht zu ertrinken. Die Seile waren nun locker. André musste lachen. „Überbeansprucht“, flüsterte er mit einem verzweifelten Lächeln in die Nacht hinein.
Donnerstag, August 17, 2006
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1 Kommentar:
Vergebt mir die Rechtschreibfehler, bitte. ;)
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